Haben Sie schon einmal ein sehr altes Gebäude gesehen, wie eine zerbrochene Steinmauer auf einem Hügel? Oder einen sehr alten, großen Baum in einem Park? Sie stehen still für viele, viele Jahre. Stellen Sie sich nun vor, wie der Mond heute Abend auf diesen alten Ort scheint. Der Mond hat ihn gesehen, als er neu war, und er sieht ihn jetzt. In Japan gibt es ein wunderschönes, nachdenkliches Lied genau darüber. Es ist ein Lied über die Zeit, die Erinnerung und den Mond, der über allem wacht. Lasst uns etwas über das japanische Lied "Der Mond über der Burgruine (荒城の月)" lernen.
Über das Lied
Hier ist die erste Strophe dieses poetischen und berühmten japanischen Liedes:
春高楼の 花の宴 めぐる杯 影さして 千代の松が枝 分け出でし 昔の光 今いづこ
秋陣営の 霜の色 鳴き行く雁の 数見せて 植うるつるぎに 照りそひし 昔の光 今いづこ
Romanisiertes Japanisch (Erste Strophe): Haru kōrō no hana no en Meguru sakazuki kage sashite Chiyo no matsu ga e wakeideshi Mukashi no hikari ima izuko Aki jinyei no shimo no iro Naki yuku kari no kazu misete Uuru tsurugi ni teri soishi Mukashi no hikari ima izuko
Englische Übersetzung: Frühling: ein Fest der Blumen am hohen Turm Die kreisenden Weinkelche werfen ihre Schatten Die alten Kiefernzweige, durch die sie sich teilten Wo ist dieses Licht der Vergangenheit jetzt?
Herbst: die Farbe des Frosts im Lager Die weinenden, abreisenden Gänse zeigen ihre Anzahl Die vergrabenen Schwerter, auf denen es auch schien Wo ist dieses Licht der Vergangenheit jetzt?
Dies ist ein poetisches, berühmtes und leicht trauriges japanisches Lied, eher wie ein Gedicht zum Singen. Das Lied ist wie ein Gemälde aus Erinnerungen. Der Sänger blickt auf eine Burgruine auf einem Hügel unter dem Mond. Der Mond ist derselbe, aber der Sänger stellt sich die Burg vor langer Zeit vor, voller Menschen, Festen und Soldaten. Jetzt ist es still. Das Lied fragt den Mond: "Wo ist diese Zeit hingegangen?"
Worum es in dem Lied geht
Das Lied ist ein stiller Blick in die Vergangenheit. Zuerst denkt der Sänger an den Frühling vor langer Zeit auf dieser Burg. Es gab einen hohen Turm. Die Menschen feierten ein Fest mit Blumen und Wein. Das Licht des Mondes schien durch die Äste der uralten Kiefern. Dann denkt der Sänger an den Herbst vor langer Zeit. Soldaten waren im Lager. Frost lag auf dem Boden. Gänse schrien am Himmel. Das Licht des Mondes schien auf die vergrabenen Schwerter.
Jetzt ist der Sänger in der Gegenwart. Die Burg ist eine Ruine, zerbrochen und leer. Aber der Mond ist derselbe. Der wunderschöne Mond scheint immer noch auf die alten Steine. Der Sänger stellt dem Mond eine Frage: "Wo ist dieses Licht der Vergangenheit jetzt?" Der Mond kennt alle Geschichten, aber er schweigt. Das Lied gibt uns das Gefühl, dass die Zeit vergeht, aber manche Dinge, wie der Mond, bleiben gleich.
Wer es gemacht hat und seine Geschichte
Die Worte für dieses Lied sind ein Gedicht von Bansui Tsuchii, und die Musik wurde von Rentarō Taki komponiert. Es ist eines der berühmtesten und beliebtesten Lieder Japans, das oft in Schulen gesungen wird. Bansui Tsuchii schrieb das Gedicht, nachdem er die Ruinen der Burg Aoba in Sendai gesehen hatte. Der Komponist Rentarō Taki schrieb die wunderschöne, traurige Melodie, als er sehr jung war. Es wird aus drei tiefgründigen Gründen geliebt. Erstens führt es Kinder in die wunderschöne, bildhafte Sprache der japanischen Liedpoesie ein, indem es klare Szenen von Jahreszeiten (Frühlingsfeste, Herbstfrost) zeichnet und sie mit der ruhigen Gegenwart kontrastiert, was hilft, ein Gefühl für Bildsprache und Stimmung durch Musik zu entwickeln. Zweitens stellt es den Mond nicht nur als Objekt am Himmel dar, sondern als einen sanften, unveränderlichen Zeugen der gesamten Menschheitsgeschichte – der Burgen entstehen, Menschen leben und die Zeit vergeht – was für ein Kind eine tiefgründige und beruhigende Vorstellung ist. Drittens führt es sanft in das Konzept des Zeitablaufs, der Veränderung und der Erinnerung ein ("Wo ist dieses Licht der Vergangenheit?") auf eine Weise, die nicht beängstigend, sondern nachdenklich und schön ist, verbunden mit dem beständigen, freundlichen Gesicht des Mondes.
Wann man es singen sollte
Dieses Lied ist perfekt für ruhige, nachdenkliche Momente. Sie können es sanft in einer klaren Nacht singen, wenn Sie den Mond sehen können, besonders wenn er auf ein altes Gebäude oder einen großen, alten Baum scheint. Es ist wunderbar zu singen, wenn man einen historischen Ort besucht, wie eine alte Festung oder ein Museum, und über die Menschen nachdenkt, die vor langer Zeit dort waren. Sie können es auch als ein ruhiges, besinnliches Lied singen und über Ihre eigenen glücklichen Erinnerungen aus dem letzten Jahr oder vor langer Zeit nachdenken.
Was Kinder lernen können
Dieses wunderschöne Lied ist wunderbar, um etwas über Jahreszeiten, die Vergangenheit zu lernen und nachdenkliche Fragen auf Japanisch zu stellen. Es lehrt uns, die Zeit zu beobachten und uns darüber zu wundern.
Vokabular
Das Lied lehrt uns poetische und Naturwörter. "Frühling" (はる / haru). "Hoher Turm" (高楼 / kōrō). "Blume" (はな / hana). "Bankett/Fest" (えん / en). "Herbst" (あき / aki). "Lager" (陣営 / jinyei). "Frost" (しも / shimo). "Licht" (ひかり / hikari). "Vergangenheit/vor langer Zeit" (むかし / mukashi). "Jetzt" (いま / ima). "Wo?" (いづこ / izuko - ein altes, poetisches Wort für どこ / doko).
Lasst uns diese Wörter verwenden! Sie können über Jahreszeiten sprechen: "はる は あたたかい." (Der Frühling ist warm.) Oder eine Frage stellen: "いま なんじ?" (Wie spät ist es jetzt?) Neues Wort: つき (tsuki). Das bedeutet "Mond". Sie können sagen: "つき が きれい." (Der Mond ist wunderschön.)
Sprachkenntnisse
Dieses Lied zeigt uns auf wunderschöne Weise, wie man eine Szene in der Vergangenheit beschreibt und wie man eine poetische Frage nach der Gegenwart und der Vergangenheit stellt. Es verwendet die Vergangenheitsform von Verben und das Fragewort "いづこ" (izuko - wo).
Konzeptdefinition: Wir lernen die Vergangenheitsform, um über Dinge zu sprechen, die zuvor geschehen sind. Wir lernen auch ein Fragewort für den Ort, "いづこ" (wo), um auf poetische Weise nach dem Ort zu fragen.
Merkmale und Typen:
- Vergangenheitsform: Im Japanischen ändern wir oft das Ende eines Verbs, um zu zeigen, dass es in der Vergangenheit geschah. Das Lied verwendet ältere, poetische Formen wie "さして" (sashite - werfen) und "分け出でし" (wakeideshi - teilten sich durch).
- Fragewort "Wo?": Das gebräuchliche Wort ist "どこ" (doko). Das Lied verwendet das ältere, poetischere "いづこ" (izuko), was dasselbe bedeutet, aber schöner und altmodischer klingt.
Wie man sie erkennt: Hier ist der "Vergangenheitsfinder"- und "Wo-Finder"-Trick. Achten Sie bei der Vergangenheitsform auf Verben, die im modernen Japanisch mit "た" (ta) oder "でした" (deshita) enden. In Gedichten können sie anders enden, wie "〜し" (shi). Achten Sie auf Wörter, die mit "い" oder "ど" beginnen und nach einem Ort fragen, wie "いづこ" oder "どこ".
Wie man sie verwendet: Um über die Vergangenheit zu sprechen, können Sie dem Verb oft "た" (ta) hinzufügen. Um zu fragen, wo sich etwas befindet, verwenden Sie "どこ" (doko). Beispiel aus dem Lied: "昔の光 今いづこ" (Wo ist dieses Licht der Vergangenheit jetzt?)
Beispiel, das Sie erstellen können: "きのう、こうえん に いった." (Gestern bin ich in den Park gegangen.) "えんぴつ は どこ?" (Wo ist der Bleistift?)
Spaß mit Klängen und Rhythmus
Die Melodie von "荒城の月" ist langsam, sanft und sehr anmutig. Es ist keine schnelle oder federnde Melodie. Sie fließt auf und ab wie ein sanfter Fluss und wirkt nachdenklich und ein wenig traurig. Der Rhythmus ist gleichmäßig und ruhig, wie das langsame Vergehen der Zeit.
Das Lied verwendet wunderschöne, lange Noten und sich wiederholende Klänge. Das Wort "光" (hikari - Licht) wird auf einer langen, gehaltenen Note gesungen, wodurch es im Lied leuchtet. Die Phrase "今いづこ" (ima izuko - wo jetzt) wird am Ende jedes Teils wiederholt, wie ein Seufzer oder eine sanfte Frage an den Mond. Dieser langsame, fließende Rhythmus ist perfekt, um ein eigenes, nachdenkliches Lied zu machen. Versuchen Sie, die Melodie zu summen und einfache Wörter über etwas Altes und Schönes zu singen: "おおきな き、むかし から ここ に いる…" (Großer Baum, du bist schon seit langer Zeit hier…).
Kultur und große Ideen
Dieses Lied verbindet sich mit der japanischen Ästhetik von "物の哀れ" (mono no aware), einem Gefühl sanfter Traurigkeit darüber, wie schöne Dinge nicht für immer halten. Es verbindet sich auch mit "月見" (tsukimi - Mondbetrachtung), der Tradition, den Herbstmond zu schätzen. Der Mond ist ein sehr wichtiger Freund in japanischen Geschichten, Kunst und Liedern.
Das Lied vermittelt drei nachdenkliche Ideen. Erstens lehrt es uns, mit "Zeitreise"-Augen zu sehen, einen alten, ruhigen Ort (wie Ruinen) zu betrachten und unsere Fantasie zu nutzen, um uns das Leben, die Farben und den Klang vorzustellen, die es einst gab, und so eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Zweitens stellt es den Mond und andere natürliche Dinge als ständige, sanfte Beobachter der menschlichen Geschichte dar und bietet ein tröstliches Gefühl der Perspektive – dass sich, während sich unser Leben und unsere Gebäude verändern, die Natur ihre eigene, längere, ruhigere Geschichte hat. Drittens führt es sanft in die Idee der Unbeständigkeit ein – dass sich die Dinge im Laufe der Zeit verändern – aber es wird nicht als beängstigend, sondern als ein schöner, natürlicher Teil des Lebens dargestellt, der Erinnerungen kostbar macht und dass Schönheit sowohl im großen Fest als auch in der ruhigen, mondbeschienenen Ruine gefunden werden kann.
Werte und Vorstellungskraft
Stellen Sie sich vor, Sie stehen nachts auf einem grünen Hügel. Vor Ihnen stehen die zerbrochenen Steinmauern einer alten Burg. Die Steine sind kühl. Der Wind flüstert durch das Gras. Sie blicken nach oben. Ein großer, runder, silberner Mond scheint direkt über den alten Mauern. Sein Licht lässt die Steine weich aussehen. Sie schließen die Augen. Für einen Moment hören Sie Lachen, Sie sehen die leuchtenden Farben eines Festes, wo die zerbrochene Mauer ist. Sie sehen Soldaten in alter Rüstung, wo jetzt nur noch Gras ist. Sie öffnen die Augen. Es ist wieder still. Aber der Mond ist immer noch da und scheint dasselbe Licht auf die Steine. Sie fühlen eine Verbindung zu all den Menschen, die vor Ihnen unter diesem selben Mond standen. Zeichnen Sie dies: Zeichnen Sie einen einfachen Hügel mit zerbrochenen Burgmauern auf einer Seite. Zeichnen Sie darüber einen großen, sanften Mond. Zeichnen Sie auf der anderen Seite mit Ihrer Fantasie ein transparentes Bild der Vergangenheit – bunte Fahnen, glückliche Menschen bei einem Fest – überlappend mit den Ruinen. Dies zeigt die Idee des Liedes von Vergangenheit und Gegenwart an einem Ort.
Das Lied ermutigt uns, stille Beobachter und Denker zu sein. Es lehrt uns, alte Dinge zu betrachten und uns über ihre Geschichten zu wundern. Es zeigt uns, dass die Natur, wie der Mond, ein ständiger Freund ist, der uns mit allen verbindet, die vor uns kamen. Eine wunderbare Aktivität ist "Mondzeuge". Finden Sie einen alten Gegenstand in Ihrem Haus – ein Foto, ein Möbelstück, ein Spielzeug von früher. Betrachten Sie es unter einer Lampe, als wäre es der Mond. Fragen Sie es: "Was hast du gesehen?" Stellen Sie sich die Geschichten vor, die es erzählen könnte. Dies verbindet Sie mit dem Geist des Liedes, sich über die Vergangenheit zu wundern.
Ihre wichtigsten Erkenntnisse
Sie sind jetzt mit dem japanischen Lied "Der Mond über der Burgruine (荒城の月)" vertraut. Sie wissen, dass es sich um ein poetisches, nachdenkliches japanisches Lied handelt, das eine Burgruine unter dem Mond betrachtet, sich an ihre lebhafte Vergangenheit erinnert und fragt, wo diese Zeit hingegangen ist. Sie haben japanische Wörter wie "はる", "あき", "むかし" und "ひかり" gelernt und über die Vergangenheitsform und die Frage "いづこ" (wo) nachgedacht. Sie haben seinen langsamen, anmutigen und fließenden Rhythmus gespürt, der sich wie Mondlicht anfühlt. Sie haben auch entdeckt, wie sich das Lied mit der Mondbetrachtung in Japan verbindet, Geschichten über die Zeit erzählt und Schönheit sowohl in der lebhaften Vergangenheit als auch in der ruhigen Gegenwart findet.
Ihre Übungsmissionen
Erstens, seien Sie ein "Vergangenheits- und Jetzt"-Beobachter. Finden Sie zwei Dinge: eines alt (wie das Buch eines Großelternteils) und eines neu (wie ein neues Spielzeug). Betrachten Sie das alte und sagen Sie: "むかし、これは あたらしかった." (Vor langer Zeit war dies neu.) Betrachten Sie das neue und sagen Sie: "いま、これは あたらしい." (Jetzt ist dies neu.) Diese Mission hilft Ihnen, so über die Zeit nachzudenken, wie es das Lied tut.
Zweitens, führen Sie ein "Mondgespräch". Gehen Sie in einer Nacht, in der Sie den Mond sehen können, nach draußen oder schauen Sie aus dem Fenster. Stellen Sie dem Mond still eine Frage in Ihrem Kopf, wie es der Sänger tut. Sie können fragen: "つきさん、きょう なに を みた?" (Herr/Frau Mond, was haben Sie heute gesehen?). Stellen Sie sich dann vor, was der Mond gesehen haben könnte – Vögel, Wolken, Menschen, die nach Hause gehen. Diese Mission verbindet Sie mit der Idee des Liedes vom Mond als stillem Freund und Zeugen.

